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  Logos: „GIZ“ im Auftrag des BMZ“ in Kooperation mit „ZDH“  
  Ausgabe Nr. 8 | Dezember 2020  
  Skilled Crafts Newsletter  
Skilled Crafts and Trades Network 4 Africa
  Aktuelle Entwicklungen im Projekt und Themen zum Handwerk in der EZ
Ein Newsletter von Skilled Crafts and Trades Network 4 Africa
 
 
 
  Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

Skillend Crafts and Trades Network 4 Afrika
.
 
Willkommen zur vorerst letzten Ausgabe des Newsletters für das Skilled Crafts Vorhaben.

Dank Ihrer Mithilfe und Ihres außerordentlichen Engagements ist in diesem Jahr im Handwerksprojekt einiges passiert und umgesetzt worden, trotz der widrigen Umstände, die wir alle vorfinden. Es war uns nicht möglich, Einsätze in den Ländern durchzuführen und wir mussten neue Wege finden, um Sie mit den Partnern zusammenzubringen. Dennoch war es uns wichtig, dass konkrete Fragestellungen und Bedürfnisse von Ihnen und den Partnern vor Ort der Startpunkt für alle unsere Aktivitäten waren. Es hat sich schnell herausgestellt, dass die Trainings- oder Coaching-Maßnahmen von beiden Seiten gewollt sein müssen, ansonsten erlahmt schnell das Interesse von einer oder auch von beiden Seiten. Erfolgreich waren besonders 1:1 Coaching Maßnahmen, die von den Handwerker*innen mit ihren Partner*innen zeitlich flexibel und inhaltlich maßgeschneidert vereinbart werden konnten, um z.B. Management- und Produktionsprozesse zu optimieren oder die Produktpalette und Dienstleistungen zu diversifizieren. Einige Fachkräfte haben sich die Mühe gemacht und aufwändige virtuelle Schulungen für Elektriker und Tischler entwickelt und erfolgreich umgesetzt. Tatsächlich ließen sich erste Ergebnisse in valide Zahlen fassen. Hier wird die Zusammenarbeit online auch zukünftig Sinn machen!

„Es gab viele Aha-Effekte, was man alles in so kurzer Zeit erreichen kann.“
Dirk Abel, Elektromeister.


Wir möchten diesen (Weihnachts-)Newsletter gerne für einen kurzen Ausblick auf 2021 nutzen – aber natürlich werden auch die anderen Kategorien nicht zu kurz kommen. Wie einige bereits wissen, wird das Skilled Crafts Vorhaben Anfang 2021 mit vier weiteren Vorhaben der GIZ zum Vorhaben „Business Scouts for Development“ fusionieren und neue Chancen für die Platzierung des Handwerks in der EZ entwickeln. Sie werden weiterhin aktuelle Neuigkeiten über die Fusion und unsere Aktivitäten auf unserer Webseite und in unserem Handwerksforum finden. Herzlichen Dank für Ihre großartige Unterstützung, Ihre vielfältigen Ideen und last but not least Ihr Herzblut für das Vorhaben. Wir freuen uns auf ein neues Jahr, in einem neuen Vorhaben zusammen mit Ihnen!


Das Projektteam wünscht Ihnen frohe Festtage und einen guten Start ins neue Jahr!
Ihr Skilled Crafts Team
 
 
» Skilled Craft Webseite
» Handwerksforum

Wenden Sie sich bei allen Fragen und Feedback zum Vorhaben an:
skilledcrafts@giz.de
 
   
 
Aus dem Netzwerk
» Skilled Crafts geht ab 2021 in Business Scouts for Development auf
» Nachruf Brigitte Schlichting
» Vorzeigeprojekt der gemeinsamen Zusammenarbeit innerhalb des Skilled Crafts Netzwerks
» Haben Sie schon unser Video vom Entstehungsprozess des „House of Africa“ gesehen?
Aus der Handwerkspraxis
» Zertifizierungszeremonie der „Fundi Women“
» Holztrocknung in Ruanda
Aktuell unterwegs
» Online-Unterstützung für sechs Schmuck-Kleinstunternehmerinnen in Südafrika
» Online-Schulungen für Arbeitssicherheit in Subsahara Afrika
Termine und Fortbildungen
Wir stellen vor
» Elektromeister Japhet Dufitumukiza
 
  Aus dem Netzwerk  
 
Skilled Crafts geht ab 2021 in Business Scouts for Development auf
 
Wir hatten es bereits in unserem Newsletter im April diesen Jahres angedeutet: Ab 2021 wird die erfolgreiche Arbeit von fünf GIZ-Vorhaben „ExperTS“, „EZ-Scouts“, „Global Business Network“, „Skilled Crafts and Trade Network 4 Africa“ und „Perspektiven schaffen“ im Auftrag des BMZ zusammengeführt. Die inhaltliche Zusammenfassung von Ansätzen und Ressourcen bildet die Grundlage für die zukünftige Ausrichtung des neuen Vorhabens „Business Scouts for Development“. Der Sektor Handwerk und seine Stärkung für den Einsatz in EZ Projekten wird in dem neuen Kooperationsnetzwerk eine zentrale Rolle einnehmen.

Die Zusammenlegung der fünf Vorhaben bündelt deren bisherige Unterstützungsangebote an die Wirtschaft und schafft eine höhere Effizienz in der Leistungserbringung. Gleichzeitig setzt das fusionierte Vorhaben auf hohe Flexibilität, um nachfrage- und bedarfsorientiert neue Themenschwerpunkte zu bearbeiten, darunter auch der Schwerpunkt Handwerk und Berufliche Bildung, welcher u.a. weiterhin vom bisherigen Skilled Crafts Team bearbeitet werden wird. Zusätzlich wurde ein spezielles Handwerkscluster geschaffen, das alle Kolleg*innen einbezieht, die mit dem Handwerk zusammen arbeiten.

Um erfolgreich mit Akteuren der Wirtschaft zusammenzuarbeiten, muss die Entwicklungszusammenarbeit in der Lage sein, auf deren spezifische Bedarfe angemessen zu reagieren. Aus diesem Grund stellt die Einbeziehung von Spitzen- und Branchenverbänden (u.a. DIHK, BDI, ZDH und BGA) als Kooperationspartner, den engen Austausch mit der Wirtschaft sowie die Berücksichtigung ihrer Bedarfe sicher. Besonders profitiert das neue Vorhaben dabei von den bereits seit mehreren Jahren etablierten vertrauensvollen Beziehungen der Vorgängervorhaben zu Partnerinstitutionen und Wirtschaftsakteuren, die nun fortgeführt und strategisch vertieft werden.

Wir werden auch zukünftig den Kooperationspartner ZDH unmittelbar auf operativer Ebene einbeziehen und an Best Practices (z. B. die Weiterentwicklung des Internationalen Meisters) zusammenzuarbeiten.

Der gemeinsame Fokus der Beruflichen Bildung bleibt erhalten, wobei Querschnittsthemen wie z. B. Arbeits- und Gesundheitsschutz eine größere Aufmerksamkeit erhalten. Weiterhin haben wir während der Einschränkungen in der Corona Zeit intensiv an der Digitalisierung der Formate gearbeitet. Dieses Thema wird uns weiter begleiten und wir werden das Portfolio des Handwerksclusters ausbauen. Hier sollen „Digitale-Piloten“ als Modelle entwickelt werden, z. B. in ersten Kooperationen mit AHKs.

Im Hinblick auf die zukünftige engere Verzahnung mit der Industrie wird der Bedarf an handwerklicher Expertise in Industriebetrieben zu analysieren sein, und wie diese in Projekten der EZ in ES-Ländern genutzt werden kann. Hier werden wir die Expertise der Handwerker*innen als Dienstleister (u.a. für Wartung und Reparatur, Werkstattorganisation) für die Industrie und deren Projekte in den Partnerländern herausarbeiten.

Im Kontext eines größeren Vorhabens ergeben sich neue Optionen und Chancen, zusammen mit Ihnen werden wir unsere innovativen Angebote weiter ausbauen, Ihre Expertise wird mehr denn je gebraucht werden. Es gibt noch viel zu tun, packen wir’s an!

» Webseite DIHK
» Webseite BDI
» Webseite ZDH
» Webseite BGA
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Nachruf Brigitte Schlichting
Brigitte Schlichting. Foto: © GIZ
Brigitte Schlichting. Foto: © GIZ
 
Liebe Freunde und Kolleg*innen des Skilled Crafts Programms,

leider haben wir am Montag, den 2. November die sehr traurige Nachricht erhalten, dass Brigitte Schlichting verstorben ist. Brigitte hatte sich seit vielen Jahren in verschiedenen Projekten in der Entwicklungs-zusammenarbeit, besonders in Jordanien und Südafrika, mit viel Herzblut engagiert. Sie setzte sich als Handwerksmeisterin für die Förderung von Frauen ein, und war allen Beteiligten in den Projekten ein eindrucksvolles Vorbild. Wir haben sie in unserem Netzwerk als sehr kompetente, erfahrene Expertin in ihrem Gewerk erlebt, aber auch als liebenswürdigen und humorvollen Menschen schätzen gelernt. Sie war eine unglaublich authentische Wissensvermittlerin, der es gelang im Unterricht Klassen von jungen Menschen zu begeistern, selbst in einer Fremdsprache. Sie hat sich wiederholt engagiert und hat alles gegeben.

Wir werden sie sehr vermissen. Ein Platz in unserem Herzen bleibt ihr gewiss. In der Trauer stehen wir gemeinsam an der Seite ihrer Lebenspartnerin.

» Brigitte Schlichting

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Vorzeigeprojekt der gemeinsamen Zusammenarbeit innerhalb des Skilled Crafts Netzwerks
Das Handwerk bietet aus vielerlei Hinsicht ein ideales Ökosystem für ein sanftes, aber nachhaltiges ökonomisches Wachstum. Zum einen sind handwerkliche Prozesse arbeitsintensiv und Arbeitskraft günstig, zum anderen werden die Produkte sowohl lokal als auch global nachgefragt und sind sowohl hinsichtlich Quantität als auch Qualität skalierbar. Den Zugang zu Weiterbildungen und Erweiterungen des Maschinenparks vorausgesetzt, ist ein nachhaltiges Wachstum im Einklang mit den ökonomischen Möglichkeiten problemlos machbar. Was oft fehlt sind das Wissen um unternehmerische Prozesse und schlichtweg die Berufserfahrung, um die ersten, schweren Jahre nach der Gründung zu meistern. Das Skilled Crafts Vorhaben versucht mit seinem Partnerschaftsmodell genau diese Lücke zu schließen und afrikanischen Unternehmern Zugang zur praktischen Erfahrung des deutschen Handwerks zu geben.

Im Rahmen einer bestehenden Partnerschaft zwischen zwei Schreinereien Mayondo Woodworks, Uganda und Kramhöller Möbelbau aus Bayern entstand die Idee einer gemeinsamen Produktentwicklung im Auftrag des Skilled Crafts Programms. Ziel war es, über den Tellerrand zu blicken und das Produkt als Showcase für die handwerklichen Möglichkeiten auf dem Afrikanischen Kontinent zu nutzen. Die Produktentwicklung stand im natürlichen Spannungsfeld der unterschiedlichen Erwartungen an das Produkt. Während auf der unternehmerischen Seite ökonomische Überlegungen im Vordergrund standen, sollte der symbolischen Bedeutung als Showcase trotzdem zu genüge Rechnung getragen werden. Auch die Möglichkeiten zur Finanzierung einer Vorserie seitens des Programmes mussten berücksichtigt werden.

Die Eckdaten entwickelten sich dann in intensiven Gesprächen. Das Produkt sollte
eine definierbare Qualität hinsichtlich der Ausführung aufweisen,
eine Funktionalität besitzen, die diese Qualität benötigt,
Bauteile von verschiedenen Gewerken und Betrieben verwenden,
konventionelle und digitale Fertigungsverfahren verwenden,
idealerweise in verschiedenen Ländern gefertigt werden,
als Give-away verwendbar sein und zum „Spielen“ einladen,
und all das in seiner Symbolik als Produkt repräsentieren.
Alles in Allem keine leichte Aufgabe – das Ergebnis war umso beeindruckender! Josef Kramhöller entwarf einen mechanischen Kalender, der Monate, Tage und Wochentage anzeigt und dessen Funktionalität durch gefräste Holzzahnrädern erreicht wird. Die Zahnräder wurden so entworfen, dass sie auf der CNC Maschine mit den vorhandenen Werkzeugen in der gewünschten Qualität von Mayondo Woodworks in Uganda hergestellt werden können.

Die Trägerstruktur wird aus gebürsteten Edelstahl Blechbiegeteilen hergestellt, welche per Laser auf einer Maschine der Firma Metallum Fabrication in Namibia geschnitten und dann nach Zeichnung gebogen werden. Dort werden auch die Edelstahl Achsen für die beweglichen Teile auf konventionellen Drehbänken gefertigt.
  Modellkalender Skilled Crafts Vorhaben.  Foto: © Josef Kramhöller
Modellkalender Skilled Crafts Vorhaben. Foto: © Josef Kramhöller
Mitarbeiter*innen von Mayondo Woodworks Ltd., Uganda bei der Produktion der Zahnräder für den Kalender. Foto: © Mansuli Mayondo
Mitarbeiter*innen von Mayondo Woodworks Ltd., Uganda bei der Produktion der Zahnräder für den Kalender. Foto: © Mansuli Mayondo
Modellteile in Uganda. Foto: © Mansuli Mayondo
Modellteile in Uganda. Foto: © Mansuli Mayondo
Die Montage und Endbearbeitung der Kalender werden von Hand in Uganda im Rahmen eines Praktikums-Projektes für Mädchen, die sich für das Schreinerhandwerk interessieren, durchgeführt. Jeder Kalender bekommt so eine persönliche Note und erhält ein Booklet mit dem Hintergrund der an der Entwicklung und Fertigung beteiligten Personen.

Ohne das finale Produkt aus der Serienfertigung gesehen zu haben können wir bereits einige Erfahrungen teilen. So war entgegen unseren ersten Vermutungen die Fertigung nicht günstiger als eine Fertigung in Deutschland, was evtl. an den doch hochpreisigen Bearbeitungsmaschinen liegt und somit nachvollziehbar wäre. Bei einem stärkeren Fokus auf konventionelle Fertigungstechniken dürften die geringen Lohnkosten stärker ins Gewicht fallen. Zu unserer Überraschung waren Lieferzeiten deutlich kürzer als prognostiziert und die digitalen Formate brauchten keine weitergehenden Erläuterungen, d.h. der Fertigungsprozess selbst war ausgesprochen unproblematisch.

Wir freuen uns jedenfalls auf weitere Projekte dieser Art, die ersten Entwürfe und Ideen wurden bereits geteilt.

» Webseite der Firma Metallum Fabrication in Namibia
» Josef Kramhöller, Werkstätte für Möbelbau
» Website Mayondo Engineering Works, Kampala
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Haben Sie schon unser Video vom Entstehungsprozess des „House of Africa“ gesehen?
House of Africa in Hoima, Uganda. Foto: © GIZ
House of Africa in Hoima, Uganda. Foto: © GIZ
Im Zuge von Kurzzeiteinsätzen entstehen oft neue Ideen, wie Handwerker*innen verschiedener Gewerke ihre Kräfte bündeln und vor Ort gemeinsame Projekte umsetzen können. Skilled Crafts unterstützt dabei bei der Planung und Durchführung, wie der Aufbau eines Modellhaus für die Berufsbildungsschule St. Simon Peter’s in Uganda eindrucksvoll zeigt. In diesem Projekt kamen Handwerker aus verschiedenen Gewerken zusammen, um gemeinsam mit den Schülern vor Ort das „House of Africa“ zu bauen. Im Zuge dessen ist ein Video entstanden was wir Ihnen nicht vorenthalten möchten.

» Hier geht’s zum Video: House Of Africa, Hoima Uganda (YouTube)
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  Aus der Handwerkspraxis
 
 
Zertifizierungszeremonie der „Fundi Women“
Arbeit in der Werkstatt „Fundi Women“. Foto: © GIZ
Arbeit in der Werkstatt „Fundi Women“. Foto: © GIZ
Im Rahmen des internationalen Netzwerkes ugandischer und deutscher Handwerkerinnen, welches durch das Skilled Crafts Vorhaben ermöglicht wird, fand im September/Oktober die Qualifizierung von 20 Frauen im Schreinerhandwerk statt. „Fundi Women“ wurde von Evelyn Zalwango gegründet, die auch Inhaberin von V Interiors Ltd, einer Schreinerei, ist. Fundi ist ein Suaheli-Wort, das Technikerin bedeutet.

Evelyn schloss sich mit Mansuli Senyondo, Inhaber von Mayondo Engineering Works "U" Ltd, und mit Orsine Mieland, Inhaberin der Abitare Tischlerei GmbH Berlin zusammen, um 20 Frauen im Schreinerhandwerk auszubilden. Aufgrund der aktuellen Beschränkungen im Rahmen der COVID 19-Pandemie konnte Orsine nicht nach Uganda reisen, um dort beim Training zu unterstützen. Stattdessen stand sie online mit Rat und Tat beratend zu Seite, um sicherzustellen, dass Evelyn und Mansuli das Training effektiv durchführen.

Die zweimonatige Ausbildung vermittelte den 20 Frauen Fertigkeiten in den Bereichen Schreinerei, Polsterei, Existenzgründung und Produktkalkulation. Cornelia Zupp, die technische Beraterin der Handwerkskammer Köln, leitete die Zertifizierungszeremonie Ende Oktober in Kampala. Ihrer Aussage nach war es das erste Mal, dass Sie einen Schreinerkurs mit 20 weiblichen Teilnehmern gesehen hat. Die Kurs-Teilnehmerinnen wünschen sich für die Zukunft eine weitere Qualifizierung und Praktikaplätze in Unternehmen.

» Evelyn Zalwango auf LinkedIn
» Mansuli Senyondo auf LinkedIn
Zertifizierungszeremonie „Fundi Women“, Oktober 2020. Foto: © GIZ
Zertifizierungszeremonie „Fundi Women“, Oktober 2020. Foto: © GIZ
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Holztrocknung in Ruanda
SEAL Betriebsstellenleiter Laurent Habyarimana und sein technischer Assistent Peter Kanyamugenge. Foto: © GIZ
SEAL Betriebsstellenleiter Laurent Habyarimana und sein technischer Assistent Peter Kanyamugenge. Foto: © GIZ
Holztrocknung ist in Ruanda ein schwieriges Geschäft. Es gibt kaum Trocknungsanlagen im Land. Die meisten Firmen trocknen an der Luft, können so aber bei weitem nicht die Menge erreichen, die z.B. in der Möbelherstellung benötigt wird. Der einzige Betrieb mit einer größeren Trocknungsanlage ist die Firma SEAL, die aber 2020 wegen personeller Wechsel Schwierigkeiten mit der Nutzung der Anlage bekam.

Die Firma ist eine Partnerorganisation des GIZ Vorhabens Eco-Emploi, das nun Skilled Crafts gebeten hat, SEAL zu unterstützen und einen Experteneinsatz zu organisieren. Für Skilled Crafts ist Holztrocknung ein neues Thema, das in vielen bisherigen Einsätzen als Herausforderung vor Ort in der Möbelherstellung identifiziert wurde, aber bisher nicht direkt adressiert wurde. Über unseren Handwerkspool haben wir dann den Tischler und Holztechniker Rainer Kemner gefunden, der sich beruflich mit dem Thema schon länger befasst und Interesse an einer Zusammenarbeit mit SEAL hatte.

Nach einer längeren Sondierungsphase und Gesprächen mit dem Betriebsinhaber, hat Rainer begonnen, die beiden technischen Mitarbeiter, die für die Trocknungsanlage in Rwamagana zuständig sind, zu schulen. Dafür musste er sich zunächst bei dem litauischen Hersteller über technische Details und Handhabung informieren. Es hieß also von null anfangen. Viel Kreativität, Geduld und Flexibilität waren erforderlich, um mit den beiden Technikern die Ergebnisse bei der Holztrocknung langsam zu verbessern. Dabei war die Online-Kooperation sogar ein Vorteil, da über einen längeren Zeitraum verschiedene Möglichkeiten getestet werden konnten und es konnte immer wieder nachjustiert werden, was in zwei Wochen vor Ort gar nicht möglich gewesen wäre. Die virtuelle Schulung ist dennoch eine große Herausforderung: die Internetverbindung funktioniert nicht immer, Laptops sind nicht vorhanden, die Unterlagen kommen manchmal nicht an. Aber Rainer Kemner lässt sich nicht entmutigen und sucht immer wieder neue Wege, um die beiden ruandischen Mitarbeiter zu erreichen und ihre Arbeit vor Ort eng zu begleiten, passt die Inhalte an die Bedarfe an, erstellt neue kurze Lehreinheiten und erklärt das Ganze per Telefon über WhatsApp. Die Mühe lohnt sich: ein vertrauensvolles Miteinanderarbeiten ist geschaffen und erste positive Ergebnisse stellen sich ein.

Wie geht es nun weiter? Für das kommende Jahr ist eine Fortsetzung der Online-Beratung vorgesehen, ein Einsatz vor Ort ist geplant. Um Wissen und Fertigkeiten in der Holztrocknung auf eine breitere Basis zu stellen, plant Rainer verschiedene angepasste Schulungsmodule für Management, Techniker, Handlager und Inhaber von kleineren Betrieben, die nächstes Jahr vielleicht in einer Kombination aus Präsenz- und Online-Format angeboten werden können.

» Sawmill East Africa Limited (SEAL)
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  Aktuell unterwegs  
 
Online-Unterstützung für sechs Schmuck-Kleinstunternehmerinnen in Südafrika
Kyle Cut Media, Foto: © Unsplash
Kyle Cut Media, Foto: © Unsplash
Die internationale Meisterin Martina Dempf hat kürzlich zwei Online-Aufträge über das Skilled Crafts Vorhaben für sechs Schmuck-Kleinstunternehmerinnen aus Südafrika durchgeführt. Die Kleinstunternehmen wurden vom GIZ-Zentrum für die Zusammenarbeit mit dem Privatsektor, der Industrie- und Handelskammer von Johannesburg (JCCI) und dem Craft + Design Institute für das Handwerk ausgewählt.

Aufgrund der COVID-19-Pandemie wurde der Kontakt mit den Kleinstunternehmerinnen über MS Teams, WhatsApp und Skype hergestellt. Der erste Auftrag bestand aus individuellen Online-Interviews mit den Unternehmerinnen, so dass Martina Dempf jede der Frauen kennenlernen und eine Bedarfsanalyse durchführen konnte.

Die Unternehmen stellen Schmuckprodukte aller Art her, von Materialien und Techniken, darunter Silber, Halbedelsteine, Up-Cycling-Produkte wie Aluminium in Kombination mit Textilien, Leder, Perlen, und viele andere. Die Kreativität und die hohe Motivation jeder Einzelnen, die Qualität ihrer Produkte zu verbessern, ihr Geschäft zu erweitern und mehr Mitarbeiter zu beschäftigen, stachen wirklich hervor.

Laut Martina's ersten Untersuchungen besteht ein Bedarf an konkreten Hilfestellungen zur Reorganisation der Werkstätten und der Lagerräume, zur Kontrolle von Kosten und Produktionszeiten sowie zur Erstellung und Verbesserung von Unternehmenswebseiten für die Präsentation und den Verkauf von Produkten.

Das Skilled Crafts Vorhaben plant nun mit Unterstützung von Martina Dempf für das Jahr 2021 weitere Unterstützung für die Kleinstunternehmerinnen. Dies kann persönlich, online oder in einem hybriden Format erfolgen, je nach dem wie sich die Situation rund um die Pandemie entwickelt. Darüber hinaus wird derzeit ein Unternehmensverband und/oder ein TVET-College identifiziert, die als Multiplikator*en für die Weiterbildung fungieren soll*en.

» Webseite Martina Dempf
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Online-Schulungen für Arbeitssicherheit in Subsahara Afrika
Teilnehmer des Trainings. Foto: © Tanja Neumann
Teilnehmer des Trainings. Foto: © Tanja Neumann
 
Im Rahmen des Skilled Crafts Projektes war Tanja Neumann, Fachkraft für Arbeitssicherheit und Glasermeisterin bei Heideglas Uelzen, damit beauftragt, Führungskräfte und Mitarbeitende aus produzierenden- und Handwerksbetrieben in Ruanda und Uganda für die Themen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz zu sensibilisieren. Aufgrund der aktuellen Corona-Situation wurden die ursprünglich als Präsenz-Veranstaltung geplanten Trainings kurzerhand in Online-Meetings umgewandelt. Insgesamt fünf Unternehmen machten von diesem Angebot Gebrauch. Hierzu zählten zwei Textilbetriebe, ein Papierhersteller und eine Möbelmanufaktur aus Ruanda sowie ein Produzent für Plastikartikel aus Uganda. In einem ersten Schritt stellten die teilnehmenden Firmen jeweils ein Arbeitssicherheitsteam zusammen, dessen Mitglieder aus verschiedenen Bereichen des Unternehmens stammten.
  Teilnehmer des Trainings, Foto: © Frank Muguleni
Teilnehmer des Trainings, Foto: © Frank Muguleni
Jedem Team wurden zunächst die theoretischen Grundlagen zum Thema Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz vermittelt. Hierzu zählten u.a. die Sicherheitszeichen, die Persönliche Schutzausrüstung sowie der Umgang mit elektrischen Handwerkzeugen. Zur Unterstützung wurden hauptsächlich PowerPoint-Präsentationen sowie Lehr-Videos eingesetzt. Die Teilnehmer*innen wurden allerdings auch selbst tätig, indem sie den Bestand an Sicherheitszeichen in ihrem Unternehmen auf- und ggf. Erweiterungen vornahmen. Darüber hinaus erstellten sie Unterweisungen für die richtige Nutzung, Aufbewahrung und Pflege verschiedener Komponenten der Arbeitsschutzausrüstung, wie beispielsweise Schutzhelme, Gehörschutzstöpsel, Schutzbrillen, Sicherheitshandschuhe und -schuhe, und führten diese im Anschluss an der Belegschaft durch. Die videodokumentieren Unterweisungen wurden dann in der folgenden Unterrichtseinheit gemeinsam besprochen. Darüber hinaus erfolgte eine schriftliche Aufnahme sämtlicher im Unternehmen vorhandener elektrischer Handwerkzeuge. Notwendige Prüfungen wurden geplant, vorbereitet und umgesetzt. Für ausgewählte Werkzeuge wurden außerdem Betriebsanweisungen erstellt, die im Anschluss ggf. in die Muttersprache übersetzt wurden, um eine 100%ige Verständlichkeit sicherzustellen. Darauf aufbauend fanden auch hierfür Unterweisungen der Belegschaft statt.

Nach der Vermittlung der theoretischen Inhalte wurden individuelle Gefährdungsbeurteilungen erarbeitet. Dazu erfolgte zunächst eine Strukturierung der Unternehmen nach ihren Aufgabenfeldern und einzelnen Arbeitsschritten. Im Anschluss wurden für jede Tätigkeit mögliche Gefährdungen identifiziert, beurteilt und entsprechende Gegenmaßnahmen abgeleitet, die dann in den jeweiligen Betrieben ihre Umsetzung fanden. Auf diese Weise ermöglichten die Online-Meetings eine sehr individuelle Betreuung jedes einzelnen Unternehmens und eine nachhaltige Umsetzung von Arbeitssicherheitsmaßnahmen. Durch den intensiven individuellen Kontakt hatte die Zusammenarbeit einen betriebspartnerschaftlichen Charakter. Ergänzend konnte ein Unternehmen sogar von einem gemeinsamen Meeting und Wissensaustausch mit einem deutschen Betrieb aus derselben Branche profitieren.

» Heideglas Uelzen
 
  Termine und Fortbildungen  
 
Derzeit sind aus gegebenem Anlass keine Termine absehbar. Bitte besuchen Sie reglmäßig die Veranstaltungsseite auf skilledcrafts.org. Dort stellen wir regelmäßig bevorstehende Events online.
Wenn Sie Ideen haben wie das Handwerk in Afrika während COVID-19 gestärkt werden kann, lassen Sie es uns wissen, wir freuen uns über jeden Vorschlag!
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  Wir stellen vor  
 
Elektromeister Japhet Dufitumukiza
Mein Name ist Japhet Dufitumukiza, ich bin gebürtiger Ruander und lebe mit meiner Frau und zwei Kindern in der Nähe von Mainz. Von Beruf bin ich Elektro-Meister und arbeite seit 2018 mit dem Skilled Crafts and Trades Network 4 Afrika zusammen. Ich hatte immer die Hoffnung mein in Deutschland erworbenes Fachwissen in Afrika einsetzen zu können.
Integrates Polytechnic Regional College (IPRC)in Kigali, Foto: © Japhet Dufitumukiza
Integrates Polytechnic Regional College (IPRC)in Kigali, Foto: © Japhet Dufitumukiza
Warum wolltest du den Einsatz wahrnehmen?
In Afrika werden viele Berufe nicht als Ausbildungsberuf angeboten, sondern mittels „learning by doing“ erlernt. Somit fehlen die Grundlagen und in der Regel wird der Beruf ausgeübt, ohne die Zusammenhänge zu kennen. Da ich die Möglichkeit hatte, mir durch die qualifizierte Ausbildung und Meisterschule in Deutschland ein breites Wissen anzueignen, habe ich die Chance ergriffen in diesem Projekt in Ruanda Elektriker auszubilden.

Haben sich Deine Erwartungen erfüllt?
Dadurch, dass die Kultur mir vertraut ist und ich die Muttersprache spreche, konnte ich erfolgreich Wissen weitergeben und es gab das Problem der Sprachbarriere nicht. Meine Erwartungen haben sich erfüllt und ich bin zufrieden mit dem Ergebnis.

Was hat Dich seit Beginn dieser Zusammenarbeit am meisten überrascht?
Viele Betriebe sind „Einzelgänger“ und arbeiten nicht zusammen. Jeder versucht mit seinem Geschäft über die Runden zu kommen. Erhält ein Betrieb einen Auftrag, werden Tagelöhner eingestellt, die nach Beendigung wieder entlassen werden. Dadurch ist das Fachwissen entsprechend niedrig. Die Betriebe können sich Festverträge nicht leisten. Tagelöhner haben weder Schutzkleidung (PSA) noch Wissen über Arbeitssicherheit.

Wie sollte es künftig weitergehen?
Die Maßnahme begeistert mich. Die Momente, in denen die Teilnehmer*innen ein Erfolgserlebnis haben und/oder Zusammenhänge verstehen macht mir besonders Spaß. Wenn es die Möglichkeit gibt, weitere Einsätze vor Ort sowie Digital anzubieten, würde ich sofort mitmachen.

Wem würdest Du einen solchen Einsatz/eine solche Partnerschaft empfehlen?
Jeder Meister, der bereit ist sich auf andere Kulturen einzulassen und sein Wissen unter herausfordernden Umständen zu vermitteln kann sich hier engagieren. Natürlich wird es nie so sein wie in Deutschland. Das muss man vorher bedenken.

Gibt es noch etwas, was Du gern den Leser*innen des Newsletters sagen möchtest?
Bevor man anfängt sich vorzubereiten, sollte man den Wissenstand der Teilnehmer*innen ermitteln, um Enttäuschungen vor Ort zu vermeiden.

Welche Themen sind wichtig und werden wirklich gebraucht?
Unter dieser Fragestellung sollte jeder Einsatz stattfinden, damit er auch zum Erfolg für beide Seiten führt. Herausforderungen wie z.B. Unterkunft, Essen, Wetter, Material ist noch nicht vor Ort, Pünktlichkeit etc. wird es immer geben. Solche Situationen sollten einen nicht abhalten das Beste aus der Situation zu machen.
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