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Beispiele der Zusammenarbeit

Wie sieht die Zusammenarbeit im Handwerk in der Praxis aus?

Hier finden Sie Beispiele von Kurzzeiteinsätzen (Trainings, Beratungen und Fact Finding Missions), Handwerksprojekten, Partnerschaften und anderen innovativen Ideen, etwa die Unterstützung von Handwerk in der Entwicklungszusammenarbeit durch unseren Handwerksfond. Oftmals entsteht die Zusammenarbeit aus Matchingreisen: Reisen, in welchen deutsche Handwerker*innen gewerkspezifisch in die Partnerländer reisen. Zusammenarbeit kommt aber auch dadurch zustande, dass Handwerker*innen, Entwicklungsprojekte, und Partner vor Ort durch aktuelle Opportunitäten aufeinander aufmerksam werden.

KURZEITEINSÄTZE

Kurzzeiteinsätze dauern meist zwei Wochen. Sie können vor Ort, digital oder im Hybrid-Format stattfinden. Jeder Einsatz ist unterschiedlich, da sich diese immer am Bedarf von dem Partner vor Ort orientieren. Trotzdem unterscheiden wir Kurzzeiteinsätze grob in drei Kategorien: Fact-Finding Mission, Beratung und Training. Deutsche Handwerker*innen werden hierbei in Organisationen der beruflichen Bildung, Verbänden oder in Betrieben in Afrika aktiv. Seit 2017 haben wir schon über 90 solcher Einsätze begleitet und unterstützt.

Wenn Sie das Bild oder die Bildbeschreibung anklicken, erhalten Sie mehr Informationen zu dem ausgewählten Kurzzeiteinsatz.

HANDWERKSPROJEKTE

Im Zuge von Kurzzeiteinsätzen entstehen oft neue Ideen, wie Handwerker*innen verschiedener Gewerke ihre Kräfte bündeln und vor Ort gemeinsame Projekte umsetzen können. Wir unterstützen dabei bei der Planung und Durchführung, wie zum Beispiel bei dem Handwerksprojekt House of Africa.

House of Africa

Im Rahmen einer Matchingreise im Juli 2018 stellten zehn deutsche Handwerker*innen (aus den Gewerken (Holz-) Bau und Elektro, Zimmer- Malerhandwerk, Glas- und Haustechnik) fest, dass Ihnen für ein Berufsbildungszentrum in Hoima, Uganda, nicht nur dieselben Herausforderungen auffielen, sondern sie auch die gleichen Lösungen im Kopf hatten. Die aus dem deutschen Handwerk abgeleitete Idee der „lebenden Lehrwerkstatt“ führte für das St. Simon Peter’s Vocational Training Centre zu dem Bau eines Modellhauses: das House of Africa.

Mit Hilfe einer digitalen Planungsplattform konzipierte und baute das deutsche Handwerksteam mit dem Projektpartner in Hoima ein modular aufgebautes Haus, das aus örtlich verfügbarem Material und Geräten errichtet wurde. Hierbei wurden bauwichtige Gewerke erklärt, verzahnt und trainiert. .Jeder Bauschritt wurde in Wort und im (Bewegt-)Bild dokumentiert, um eine verständliche Anleitung für jede Ausbilder*innen- und Schüler*innen-Generation zu generieren. Zugleich entstand ein landesweit nutzbares Wohnraum-Konzept – standardisiert und beliebig oft wiederholbar. Dank der modularen Bauweise können zudem einzelne Elemente des Gebäudes, beispielsweise Wände, auf notwendige oder gewünschte Lehr- oder Wohnbedarfe angepasst werden. Am Ende verfügte das Berufsbildungszentrum St. Simon Peter‘s VTC über ein Curriculum für den Praxisunterricht und über ein marktreifes Produkt.

PARTNERSCHAFTEN

Um die afrikanische und deutsche Wirtschaft noch nachhaltiger zu vernetzen, unterstützen wir den Aufbau von Betriebs- und Lernpartnerschaften. Die Bandbreite der bestehenden Partnerschaften ist groß! Hier stellen wir zwei Partnerschaften vor.

Die deutsch-ugandische Partnerschaft zwischen zwei Tischlerinnen

Eve Zalwango in Ihrer Werkstatt in Ruanda
Eve bildet Frauen im Tischlerhandwerk aus als Teil der Fundi Womens Training Initiative
Die Fundi Womens Training Initiative in Uganda bildet Frauen im Tischlerhandwerk aus

Eve Zalwango und ihre Firma V Interiors haben seit Anfang 2019 eine Partnerschaft mit Orsine Mieland, einer Schreinerin aus Deutschland.

Aus mehreren Kurzzeiteinsätzen ist eine enge Beziehung zwischen der deutschen und ugandischen Tischlerin entstanden. Orsine ist zu einer Mentorin für Eve geworden. Eve bildet jetzt auch weitere Frauen in ihrer Firma zu Tischlerinnen aus, mit der Begleitung und Beratung durch Orsine. Seit der COVID-19-Pandemie ist die Partnerschaft verstärkt digital unterwegs. So führte Orsine die Azubis von Eve online durch ihre deutsche Werkstatt.

In unserem Newsletter erzählt Eve mehr über ihre Partnerschaft mit Orsine. Lesen Sie das Interview hier.

Von einer Matchingreise zu gemeinsamer Produktentwicklung im Holzsektor in Uganda

Auf einer Matchingreise nach Uganda fanden Mansuli Senyondo, Chef von Mayondo, und der deutsche Schreiner Josef Kramhöller schnell zueinander, weil sie in ihren Werkstätten ähnliche CNC-Maschinen einsetzten. Josef ergriff damals die Initiative, um die Prozesse im Mayondo-Betrieb zu verbessern.

Nach der Matchingreise blieben die beiden in regem Kontakt. Mansuli schickte Josef Fotos, um Arbeitsprozesse in seinem Betrieb zu erläutern. Als Mansuli erzählte, er bräuchte deutsche Werkzeuge, lud Josef ihn kurzerhand in seinen Betrieb nach Regen ein. Zweieinhalb Monate nach dem ersten Zusammentreffen kam es zu einem Wiedersehen. In den folgenden zehn Tagen stand einiges auf dem Programm: In Josefs Werkstatt erklärte dieser Mansuli, wie die deutschen Werkzeuge verwendet werden und wie man CNC-Technik effizienter nutzen kann. Zudem konstruierten und bauten die beiden gemeinsam einen Vakuumsauger für den Rastertisch von Mansulis CNC-Maschine. Dies erlaubt eine effizientere Nutzung der Maschine.

Nach dem Besuch von Mansuli in Deutschlad überlegten die beiden, wie eine Partnerschaft sinnvoll und langfristig gestaltbar wäre. Durch die gegenseitigen Besuche war bereits klar, dass sie beide mit einer ähnlichen CNC-Maschine arbeiten und hierin das Potential einer Kooperation bestand. Die Idee eines gemeinsamen Produkts – designed in Germany und gefertigt in Uganda – war geboren.

Als erstes Produkt der Partnerschaft entstand ein Stuhl, der im Oktober 2019 auf der UMA Trade Show in Kampala, Uganda, ausgestellt wurde. Sogar das ugandische Fernsehen berichtete über das Produkt und die Partnerschaft! Das Verkaufsargument „German Quality made in Uganda“ kommt bei den Kunden in Uganda sehr gut an!

In unserem Newsletter erzählt Mansuli Seyondo hier über die Partnerschaft. Weitere Information gibt es auch im Flyer zum Download.

Josef Kramhöller auf seiner Matchingreise
Mansuli und Josef
Der gemeinsame Stuhl

HANDWERKSFOND

Der Handwerksfond bietet Finanzierungsmöglichkeiten für besonders innovative Handwerksprojekte und Ideen an. Diese können auch außerhalb von Subsahara-Afrika stattfinden. Die SEQUA verwaltet den Handwerksfond.

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